Wildblumenwiese in Versickerungsmulde am Albrecht-Thaer-Gymnasium

Versickerungsmulde

Die Versickerungsmulde ist eine naturnahe und häufig eingesetzte Methode zur Regenwasserversickerung. Regenwasser wird in eine flache, mit Gras bewachsene Mulde geleitet, wo es kurzfristig angestaut wird und anschließend in den Untergrund versickert oder verdunstet. Diese Methode benötigt weniger Platz als die Flächenversickerung und ist aufgrund der möglichen Verdunstung besonders gut geeignet, um den lokalen Wasserhaushalt zu stärken.

  • Zweck

    Versickerung

  • Flächenbedarf

    mindestens 20 Prozent der angeschlossenen Fläche

  • Unterhaltung

    Pflege von Grünflächen, Mahd, Kontrolle der Zuläufe

  • Effekte
    • Wasserhaushalt
      Effekt auf Wasserhaushalt: 3 von 3
    • Reinigungsleistung
      Effekt auf Reinigungsleistung: 3 von 3
    • Stadtklima
      Effekt auf Stadtklima: 2 von 3
    • Biodiversität
      Effekt auf Biodiversität: 3 von 3
    • Starkregenvorsorge
      Effekt auf Starkregenvorsorge: 2 von 3

Die Versickerungsmulde gehört aufgrund ihrer einfachen und naturnahen Bauweise zu den am häufigsten eingesetzten Rückhalte- und Versickerungsanlagen. Das Regenwasser wird von den versiegelten und unversiegelten Flächen in eine flache, meist mit Gras bewachsene Bodenvertiefung geleitet. Im Gegensatz zu der Flächenversickerung wird das Wasser durch die Muldenform kurzfristig angestaut, sodass ein oberirdischer Rückhalteraum entsteht. Das Wasser versickert anschließend in den Untergrund oder verdunstet. 

Da in der Versickerungsmulde das Regenwasser bei stärkeren Regenfällen angestaut und gespeichert wird, benötigt die Mulde zur Versickerung der gleichen Wassermenge deutlich weniger Fläche als eine Flächenversickerung.

Aufbau

Für eine ausreichende Durchwurzelung der Muldensohle und damit der Gewährleistung einer Reinigungsfunktion, wird ein mindestens 20 cm dicker wasserdurchlässiger Oberboden aufgebracht. In Wasserschutzgebieten ist eine 30 cm starke Oberbodenschicht erforderlich. Ein Abstand von mindestens einem Meter zwischen Anlagensohle und dem mittleren höchsten Grundwasserspiegel sollte gewährleistet sein. Bei beengten Grundstücksverhältnissen kann die Mulde linienhaft ausgebildet und beispielsweise in Randbereichen oder auf Abstandsflächen angeordnet werden, sofern die Gefahr der Vernässung von Bauwerken ausgeschlossen werden kann (siehe auch unter „Vernässung“ in diesem Abschnitt).
 

Bodendurchlässigkeit

Für die Versickerungsfunktion der Mulde ist die Durchlässigkeit des Untergrundes im Sohlenbereich der Mulde entscheidend. Die Wasserdurchlässigkeit der Bodenschicht wird durch den so genannten „kf-Wert“ angegeben. Der kf-Wert des Muldensohlenbereiches - sowohl der Oberboden als auch der Untergrund - muss kf ≥ 1 x 10-6 Meter pro Sekunde betragen. Damit die Versickerungsmulde ihre Funktion dauerhaft erfüllen kann, ist der Erhalt dieser Durchlässigkeit entscheidend. Daher sollte die Entleerungsdauer für die Mulde nicht länger als 84 Stunden betragen, um eine Verschlickung und Verdichtung der Mulde zu vermeiden. Üblicherweise eignet sich hierfür eine Mulde mit einer Tiefe zwischen 20 und 30 Zentimetern.
 

Bemessung

Die Bemessung erfolgt nach dem DWA-Arbeitsblatt 138-1 „Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser – Teil 1: Planung, Bau, Betrieb“. Es erklärt Planung, Bau und Betrieb praxisbewährter Maßnahmen und Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser. Das Arbeitsblatt beschreibt außerdem die dabei erforderlichen hydrogeologischen Randbedingungen sowie die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Bodenfunktion und des Grundwassers. 
 

Sicherheit

Durch eine maximale Einstauhöhe von 30 Zentimetern wird das Sicherheitsrisiko reduziert. Zu beachten ist die maximale Einstauhöhe, insbesondere bei der Planung in der Nähe von Kinderspielflächen.
 

Ausgestaltung

Die Anordnung der Mulden sollte möglichst parallel zu den Höhenlinien des Geländes und mit annähernd waagerechter Sohlebene erfolgen, damit eine gleichmäßige Verteilung des Wassers gewährleistet ist. Bei stärkerem Geländegefälle können lange Mulden unterbrochen werden und kaskadenförmig hintereinander angeordnet werden. Die Böschungsneigung sollte maximal 1 zu 2 betragen, besser ist eine Neigung von 1 zu 3 bis 1 zu 7, um eine Mähbarkeit insbesondere mit Großflächenmähern zu ermöglichen. Regenwasser, das auf versiegelten Flächen anfällt, wird möglichst gleichmäßig über offene Rinnen, Gräben oder breitflächig über die Seitenräume von befestigten Flächen zugeleitet.
 

Flächenbedarf

Als Anhaltspunkt für den Flächenbedarf kann für die Muldensohle ungefähr 20 Prozent der angeschlossenen undurchlässigen Fläche angesetzt werden.
 

Vernässung

Damit durch Versickerungsmulden keine Schäden durch Vernässung an Bauwerken entstehen, sind die Mulden mit Abstand von Gebäuden einzuplanen. Der Mindestabstand beträgt das 1,5-fache der Baugrubentiefe des angrenzenden Bauwerks.
 

Kombinationsmöglichkeiten

Die Muldenversickerung kann unterirdisch mit einer Rigolenversickerung kombiniert werden, um das Stauvolumen zu erhöhen (siehe Mulden-Rigole). Ein unterirdisches Stauvolumen spielt dann eine Rolle, wenn zum Beispiel oberirdisch nicht ausreichend Flächen zur Verfügung stehen oder um gegebenenfalls eine schlechte Durchlässigkeit der oberen Bodenschicht auszugleichen. Versickerungsanlagen können grundsätzlich auch gut durch Regenwasserspeicher und -nutzungsanlagen (zum Beispiel Zisternen oder Regentonnen) ergänzt werden.
 

Wartung und Unterhaltung

Die Unterhaltung unterscheidet sich nur wenig von der Pflege einer Grünfläche. Mindestens einmal jährlich ist eine Mahd erforderlich, bei der das Mähgut und Gehölzsämlinge entfernt werden sollten. Zusätzlich sollte halbjährlich die Mutterbodenschicht auf Trockenrisse oder Ausspülungen kontrolliert werden und bei Bedarf ausgebessert werden.
Die Zuläufe sollten regelmäßig kontrolliert werden. Ablagerungen müssen beseitigt werden und Laub sollte im Herbst und nach Bedarf entfernt werden. Falls nach Jahren die Wasserdurchlässigkeit abgenommen hat, kann diese nach Bedarf durch Vertikutieren oder Bodenaustausch wiederhergestellt werden.
 

Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige

Versickerungsanlagen sind grundsätzlich erlaubnispflichtig. Bei Versickerungsanlagen auf Wohngrundstücken mit einer angeschlossenen Fläche kleiner 250 Quadratmeter genügt die Anzeige bei der Umweltbehörde, vorausgesetzt die Bedingungen zur Gewährleistung des Grundwasserschutzes werden eingehalten. Näheres kann auf den verlinkten Behördenwebseiten nachgelesen werden.
 

Geld sparen!

Für versiegelte Grundstücksflächen, wie beispielsweise gepflasterte Hofflächen oder Dächer, die an eine Muldenversickerung ohne Notüberlauf in das öffentliche Siel angeschlossen sind, entfällt die Niederschlagswassergebühr. Gibt es einen Notüberlauf, wird 50 Prozent der Fläche zur Berechnung der Niederschlagswassergebühr herangezogen. Der Notüberlauf ist oberirdisch und offen sichtbar zu installieren bis zur Anbindung an den Anschluss zum Regen- oder Mischwassersiel.

 

Garten gestalten!

Die Versickerungsmulde kann durch ihre variable Form in der Gartengestaltung verwendet werden.

 

Weniger Risiko bei Starkregen!

Die Versickerungsmulde kann bei ausreichender Größe das Überflutungsrisiko verringern.

Wasserhaushalt

Durch die Muldenversickerung wird das Regenwasser über eine flächige Verdunstung und Versickerung in den Wasserkreislauf zurückgeführt, trägt damit zur Grundwasserneubildung bei und versorgt anteilig die nähere Vegetation.

 

Wasserqualität

Das Regenwasser wird über die belebte Bodenzone gereinigt.
Die Versickerungsmulde hat mit 80 bis 90 Prozent eine hohe stoffliche Reinigungswirkung.

 

Rückhalt des Wassers

Durch die verzögerte Ableitung, Verdunstung und Versickerung des Regenwassers werden Siele und Oberflächengewässer entlastet.

 

Grün & Klima

In der Regel wird die Versickerungsmulde mit Rasen bepflanzt. Zur Erhöhung der Verdunstungsleistung und der Biodiversität kann die Mulde mit standortgerechten Bodendeckern oder Stauden bepflanzt werden. Der Pflegeaufwand ist entsprechend zu berücksichtigen, um die Versickerungsfähigkeit zu gewährleisten.
Die Verdunstung des Regenwassers hat einen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur.
 

Die Herstellungskosten einer einfachen Rasenmulde liegen bei circa 30 – 50 Euro pro Quadratmeter, was ungefähr 8 - 15 Euro pro Quadratmeter undurchlässiger, angeschlossener Fläche entspricht.

Hinweis

Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen. 

Für Versickerungsmulden kann eine Förderung beantragt werden. Erfahren Sie mehr über das RISA-Förderprogramm.

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