
Mulden-Rigolen-Systeme
Ein Mulden-Rigolen-Element kombiniert eine oberirdische Versickerungsmulde mit einer unterirdischen Rigole. Regenwasser wird in die Mulde geleitet, dort kurzfristig gespeichert und in die Rigole versickert. Sie ist ein unterirdischer Speicher, der das Wasser langsam in den Untergrund abgibt. Diese Methode ist ideal für Grundstücke mit wenigen Freiflächen und geringerer Bodendurchlässigkeit.
- Zweck
Versickerung
- Flächenbedarf
8 bis 12 Prozent der angeschlossenen Fläche
- Unterhaltung
Pflege von Grün- und Rasenflächen, Mahd, Kontrolle der Schächte
- Effekte
- Wasserhaushalt
- Reinigungsleistung
- Stadtklima
- Biodiversität
- Starkregenvorsorge
Ein Mulden-Rigolen-Element ist eine Kombination aus einer oberirdischen Versickerungsmulde und einer unterirdischen Rigole. Das Regenwasser wird in eine begrünte Mulde geleitet, hier kurzfristig gespeichert und versickert in die unterhalb der Mulde angeordnete Rigole, einem unterirdisch angelegten Speicherkörper aus Kies, Schotter oder Kunststoff. Aus der Rigole kann das Wasser dann langsam in den Untergrund versickern, auch wenn die Durchlässigkeit des Bodens gering ist. Im Falle einer geringen Durchlässigkeit kann die Kombination mit der Ableitung in das öffentliche Siel oder ein Gewässer eine sinnvolle Alternative darstellen.
Die Mulden-Rigole kombiniert die Vorteile der beiden Einzelmaßnahmen und findet Anwendung auf Grundstücken mit geringen Freiflächen und geringerer Versickerungsfähigkeit des Bodens oder zur Ertüchtigung von Versickerungsmulden.
Einzelne Mulden-Rigolen-Elemente können über geschlossene Rohre und gegebenenfalls einen Drosselschacht zu einem Mulden-Rigolen-System vernetzt werden. Dies kann in Kaskaden hintereinander oder parallel geschaltet erfolgen.
Ausgestaltung
Oberirdisch wird eine bewachsene Versickerungsmulde angelegt. Je nach Bemessung kann diese eine unterschiedliche Form und Tiefe aufweisen.
Unterhalb der Mulde erfolgt der Einbau einer Rigole mit gewaschenem Kies von 8/16 Millimetern oder 16/32 Millimetern oder von Hohlkörpern aus Kunststoffboxen. Zum Schutz des Grundwassers vor Verunreinigung ist ein Mindestabstand von einem Meter zwischen Unterkante der Rigole und dem mittleren höchsten Grundwasserstand einzuhalten.
Bodendurchlässigkeit
Nach einer Speicherung wird das Wasser aus der Rigole in den Untergrund versickert. Der mittlere Wasserdurchlässigkeitsbeiwert (kf) der Bodenschicht unterhalb der Rigolensohle muss kf ≥ 1 x 10-6 Meter pro Sekunde betragen. Bei Böden mit geringerer Durchlässigkeit kann das Niederschlagswasser, das nicht versickert werden kann, gedrosselt abgeleitet oder genutzt werden (siehe auch „Regenwasser speichern und nutzen”).
Bemessung
Die Bemessung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt 138-1 „Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser“. Zur Auslegung der Anlage wird empfohlen, Fachpersonal zu konsultieren und eine Baugrunduntersuchung durchzuführen.
Flächenbedarf
Ein Mulden-Rigolen-Element benötigt eine Versickerungsfläche von circa 8 bis 12 Prozent der angeschlossenen undurchlässigen Fläche. Durch die Verlagerung eines Anteils des Speichervolumens in den Untergrund fällt der oberirdische Flächenbedarf somit geringer aus als bei einer Mulde. Eine weitere Reduzierung des Flächenbedarfs kann durch die Anordnung eines Muldenüberlaufs erreicht werden. Durch diesen wird Regenwasser bei Starkregenereignissen direkt und somit auch schneller in den Rigolenspeicher eingeleitet.
Wartung und Unterhaltung
Die Unterhaltung erfolgt wie bei einer Versickerungsmulde durch die Pflege der Grünfläche. Mindestens einmal jährlich ist eine Mahd erforderlich, bei der das Mähgut und Gehölzsämlinge entfernt werden sollten. Zusätzlich sollte halbjährlich die Mutterbodenschicht auf Trockenrisse oder Ausspülungen kontrolliert werden und bei Bedarf ausgebessert werden. Für die Rigole ist eine Kontrolle der Schächte auf Verunreinigung und Verstopfung sowie eine Kontrolle und Reinigung der Zuläufe mindestens einmal jährlich erforderlich.
Kombinationsmöglichkeiten
Die Kombinationen mit anderen Versickerungsarten, zum Beispiel Teichversickerung oder auch Regenwassernutzungsanlagen (zum Beispiel Zisternen oder Regentonnen) ist möglich. Die einzelnen Mulden-Rigolen-Elemente in einem Mulden-Rigolen-System sind durch Schachtbauwerke mit Drosselung und Überlauf zu trennen.
Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige
Versickerungsanlagen sind grundsätzlich erlaubnispflichtig. Bei Versickerungsanlagen auf Wohngrundstücken mit einer angeschlossenen Fläche kleiner 250 Quadratmetern genügt die Anzeige bei der Umweltbehörde, vorausgesetzt die Bedingungen zur Gewährleistung des Grundwasserschutzes werden eingehalten. Näheres kann auf den verlinkten Behördenwebseiten nachgelesen werden.
Falls die Ableitung in eine weitere Vorflut erfolgt, ist eine wasserrechtliche Erlaubnis bei der zuständigen Wasserbehörde (für die Einleitung in Gewässer) oder eine Einleitgenehmigung (für die Einleitung ins Siel) nach dem Hamburgischen Abwassergesetz einzuholen.
Förderung bekommen!
Das RISA-Förderprogramm bietet besondere Anreize, sich für eine Versickerung durch Mulden-Rigolen Systeme zu entscheiden. Die Stadt gewährt in dem Zusammenhang Zuschüsse von bis zu 25.000 Euro je Wasserrecht. Die Fördergelder können bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) beantragt werden.
Geld sparen!
Für Dächer oder versiegelte Grundstücksflächen, die an ein Mulden-Rigolen-Element ohne Notüberlauf ins Siel angeschlossen sind, entfällt die Niederschlagswassergebühr. Gibt es einen Notüberlauf, werden 50 Prozent der Fläche zur Berechnung der Niederschlagswassergebühr herangezogen. Der Notüberlauf ist oberirdisch und offen sichtbar zu installieren bis zur Anbindung an den Anschluss zum Regen- oder Mischwassersiel.
Garten gestalten!
In der Gartengestaltung kann der oberflächliche Teil des Mulden-Rigolen-Elements, also die Versickerungsmulde, attraktiv und frei gestaltet werden.
Weniger Risiko bei Starkregen!
Die Rigole kann bei ausreichender Größe das Überflutungsrisiko deutlich verringern.

Wasserhaushalt
Durch das Mulden-Rigolen-Element wird das Regenwasser zwischengespeichert und über eine flächige Verdunstung und eine Versickerung aus der Rigole in darunterliegende Bodenschichten in den Wasserkreislauf zurückgeführt. In der Gartengestaltung kann der oberflächliche Teil des Mulden-Rigolen-Elements, also die Versickerungsmulde, attraktiv und frei wählbarer Form gestaltet werden.
Wasserqualität
Das Regenwasser wird analog zur Mulde über die belebte Bodenzone gereinigt. Die Versickerungsmulde des Mulden-Rigolen Elements hat mit 80 bis 90 Prozent eine hohe stoffliche Reinigungswirkung. Beim Einsatz des Überlaufs, zum Beispiel bei einem Starkregenereignis, entfällt der Reinigungsschritt allerdings, da das Wasser nicht über die belebte Bodenzone versickert.
Rückhalt des Wassers
Durch die verzögerte Ableitung, Verdunstung und Versickerung des Regenwassers werden Siele und Oberflächengewässer entlastet.
Grün & Klima
Das Regenwasser ist für Flora und Fauna bedingt verfügbar, da das pflanzenverfügbare Wasser aus den Rigolen ggf. außerhalb des Wurzelbereichs in den Boden versickert. Zur Bepflanzung der Mulde können außer Rasen auch andere flachwurzelnde Pflanzen zum Einsatz kommen. Die Verdunstung des Regenwassers hat einen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur.
Je nach Bauweise der Rigole liegen die Kosten bei circa 15 – 25 Euro pro Quadratmeter angeschlossener, undurchlässiger Fläche.
Informationen der Stadt Hamburg
Hinweis
Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.
Für Mulden-Rigolen-Systeme kann eine Förderung beantragt werden. Erfahren Sie mehr über das RISA-Förderprogramm.








