Versickerungsschacht

Die Schachtversickerung ist eine Methode zur Versickerung von Regenwasser. Das Wasser wird in einem Versickerungsschacht aufgestaut und über Filterschichten in den Untergrund abgegeben. Diese Methode eignet sich besonders für Grundstücke mit wenig Freifläche und erfordert einen ausreichenden Grundwasserflurabstand.

  • Zweck

    Versickerung

  • Flächenbedarf

    2 Prozent der angeschlossenen Fläche

  • Unterhaltung

    Inspektion, Entschlammung, Reinigung

  • Effekte
    • Wasserhaushalt
      Effekt auf Wasserhaushalt: 2 von 3
    • Reinigungsleistung
      Effekt auf Reinigungsleistung: 3 von 3
    • Stadtklima
      Effekt auf Stadtklima: 0 von 3
    • Biodiversität
      Effekt auf Biodiversität: 0 von 3
    • Starkregenvorsorge
      Effekt auf Starkregenvorsorge: 0 von 3

Die Schachtversickerung ist eine Maßnahme zur punktförmigen Versickerung, bei der Wasser kurzzeitig unterirdisch gespeichert wird und versickert. Das Niederschlagswasser wird in einem Versickerungsschacht aufgestaut und über wasserdurchlässige Filterschichten am Boden und zum Teil seitlich der Anlage an den Untergrund abgegeben.

Ein Versickerungsschacht besteht in der Regel aus perforierten Betonschachtringen mit Abdeckung oder alternativ aus Kunststoffen wie PE oder GFK. Aufgrund der Tiefe von Sickerschächten muss ein entsprechend großer Grundwasserflurabstand gegeben sein.

Es werden zwei Bauarten für Sickerschächte unterschieden:

 

Schachttyp A

Hier sind alle Schachtbauteile unterhalb des Zulaufs perforiert, das heißt eingeschlitzt. Die Versickerung erfolgt über die Seitenwände des Schachtes. Der Schachttyp A verfügt bei gleicher Bautiefe über ein größeres Speichervolumen als der Schachttyp B, da beim Schachttyp B der Filtersand mehr Volumen einnimmt.

 

Schachttyp B

Hier sind lediglich die Schachtbauteile unterhalb der Filterschicht perforiert. Das Regenwasser durchläuft zunächst die Filterschicht über der offenen Schachtsohle. Erst danach versickert es in den Untergrund (entspricht einem Sickerschacht nach DIN 4261-1 „Kleinkläranlagen - Teil 1: Anlagen zur Schmutzwasservorbehandlung“). Da bei dem Schachttyp B durch Austausch der Filterschicht die Sickerfähigkeit dauerhaft erhalten werden kann, geht man von einer längeren Lebensdauer als bei Schachttyp A aus.

Konstruktion

Sickerschächte sollten mit einem Mindestdurchmesser von einem Meter (DN 1000) hergestellt werden. Die Zuleitung kann ober- und/oder unterirdisch erfolgen. Im Schacht Typ B wird eine Filterschicht mit einer Stärke größer als 50 Zentimeter aus karbonathaltigem Sand mit einer Körnung von 0,25 bis 4 Millimetern und einer Wasserdurchlässigkeit von kf ≤ 1 x 10-3 Metern pro Sekunde im Bereich der Schachtsohle eingebaut. Der Einbau eines vorgeschalteten Absetzschachtes als Zuleitung ist ratsam, um den Eintrag von Fremdstoffen zu verhindern. Bei Schachttyp B wird im Bereich der Versickerungszone der Schacht mit filterstabilem Material bis 30 Zentimetern über die Oberkante der Sickeröffnungen aufgefüllt. Der Schacht ist zudem mit filterstabilem Material von mindestens 30 Zentimeter Dicke zu ummanteln. Die Kies-Ummantelung des Schachtes kann mit Geotextil-Vlies eingefasst werden. 
 

Planung

Bei der Anordnung der Schachtversickerung auf dem Grundstück ist ein ausreichender Abstand zum Wurzelbereich geplanter und vorhandener Bäume und zu geplanten oder vorhandenen Versorgungsleitungen einzuhalten. Zum Schutz des Grundwassers vor Verunreinigung ist ein Mindestabstand von 1,5 Meter zwischen Oberkante Filterschicht und dem mittleren höchsten Grundwasserstand einzuhalten. Um das Stauvolumen zu vergrößern, können mehrere Schächte parallelgeschaltet und gleichmäßig beschickt werden. Der Abstand zwischen zwei Schächten sollte mindestens 10 Meter betragen.
 

Eignung

Der Versickerungsschacht eignet sich für die Versickerung von Regenwasser bei wenig Platz an der Oberfläche. Für die Versickerung von mäßig und stark belastetem Regenwasser, zum Beispiel von kupfer-, zink- oder bleigedeckten Dachflächen, ist eine Schachtversickerung nur in Ausnahmefällen mit Vorreinigung zulässig. In diesen Fällen ist eine Einzelfallprüfung durch die Umweltbehörde erforderlich.
 

Bemessung

Die Bemessung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt 138-1 „Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser“. Der mittlere Wasserdurchlässigkeitsbeiwert (kf) der Bodenschicht unterhalb des Sickerschachtes muss kf ≥ 1 x 10-6 Meter pro Sekunde betragen.
 

Flächenbedarf

Der Flächenbedarf liegt für die Versickerungsfläche bei weniger als 2 Prozent der angeschlossenen undurchlässigen Fläche.
 

Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige

Versickerungsanlagen sind grundsätzlich erlaubnispflichtig. Bei Versickerungsanlagen auf Wohngrundstücken mit einer angeschlossenen Fläche kleiner als 250 Quadratmeter genügt die Anzeige bei der Umweltbehörde, vorausgesetzt die Bedingungen zur Gewährleistung des Grundwasserschutzes werden eingehalten. Näheres kann auf den verlinkten Behördenwebseiten nachgelesen werden.
 

Wartung und Unterhaltung

Die Absetz- und Sickerschächte sind möglichst halbjährlich zu inspizieren. Dabei sollten die vorgeschalteten Absetzschächte, wenn vorhanden, entschlammt werden. Wenn der Verdacht besteht, dass die Durchlässigkeit der Filterschicht abnimmt, sollte diese gereinigt oder ausgetauscht werden. Versickerungsschächte sind bei mangelhafter Wartung deutlich störanfälliger als andere Versickerungssysteme.
 


Platzsparend!

Da für eine Schachtversickerung kein oder kaum Platzbedarf an der Oberfläche besteht, eignet sie sich für Grundstücke mit sehr wenig Freifläche.

 

Geld sparen!

Für versiegelte Grundstücksflächen, wie beispielsweise gepflasterte Hofflächen oder Dächer, die an einen Versickerungsschacht ohne Notüberlauf in das öffentliche Siel angeschlossen sind, entfällt die Niederschlagswassergebühr. Gibt es einen Notüberlauf, wird 50 Prozent der Fläche zur Berechnung der Niederschlagswassergebühr herangezogen.

Wasserhaushalt

Durch die Schachtversickerung wird das Regenwasser über Versickerung (Beitrag zur Grundwasserneubildung) in den Wasserkreislauf zurückgeführt.


Wasserqualität

Die Schachtversickerung ist aufgrund der geringeren Stoffrückhaltefunktion im Vergleich mit der belebten Bodenzone die ungünstigste Bauweise aus Sicht des Grundwasserschutzes. 
Daher ist die Maßnahme nur für Flächen mit geringer Verschmutzung geeignet, zum Beispiel Fußwege und nicht-metallische Dachflächen.


Rückhalt des Wassers

Durch die Versickerung und die Rückhaltung des Regenwassers werden Siele und Oberflächengewässer entlastet. 
 

Grün & Klima

Das Regenwasser ist für Flora und Fauna bedingt verfügbar, da das Wasser aus dem Sickerschacht in der Regel außerhalb des Wurzelbereichs in den Boden versickert.
Der Versickerungsschacht hat auch keinen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur.
 

Ein Sickerschacht Typ A und B kostet ungefähr 2.000 Euro. Dies entspricht circa 15 – 25 Euro pro Quadratmeter undurchlässiger angeschlossener Fläche.

Hinweis

Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.

Ausgewählte Projekte zu dieser Maßnahme

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