Oberirdische Rückhaltung

Niederschläge an der offenen Oberfläche zurückzuhalten, hat viele Vorteile: der naturnahe Wasserhaushalt wird durch vermehrte Verdunstung gefördert, das Entwässerungssystem wird im Starkregenfall entlastet und auch die Biodiversität profitiert.

  • Zweck

    Speicherung, Rückhalt und Nutzung

  • Flächenbedarf

    5 bis 10 Prozent der angeschlossenen Fläche

  • Unterhaltung

    Kontrolle der Drosseleinrichtung, Böschung, Mahd

  • Effekte
    • Wasserhaushalt
      Effekt auf Wasserhaushalt: 2 von 3
    • Reinigungsleistung
      Effekt auf Reinigungsleistung: 1 von 3
    • Stadtklima
      Effekt auf Stadtklima: 3 von 3
    • Biodiversität
      Effekt auf Biodiversität: 2 von 3
    • Starkregenvorsorge
      Effekt auf Starkregenvorsorge: 3 von 3

Bei der oberirdischen Rückhaltung, zum Beispiel in einer Rückhaltemulde oder einem Regenrückhaltebecken, wird Wasser wie in einer oberirdischen Badewanne mit zu kleinem Abfluss gestaut und dann langsam abgegeben. Das Wasser kann somit über einen längeren Zeitraum in geringen Mengen in die Siele (Kanalisation in Hamburg) oder Gewässer eingeleitet werden. Das hilft den Sielen und den Oberflächengewässern, insbesondere bei starken, langanhaltenden Regenfällen schonender Wasser abzuleiten. Außerdem verringert es das Überflutungsrisiko bei Starkregen. Rückhaltung wird insbesondere dann nötig, wenn andere Maßnahmen zur Bewirtschaftung, wie Versickerung, nicht möglich oder nicht ausreichend möglich sind.

Oberirdische Rückhaltungen sind gegenüber unterirdischen oder verschlossenen Rückhaltungen besonders vorteilhaft, weil sie zu mehr Verdunstung nach einem Regenereignis führen. Wenn die Rückhaltungen außerdem naturnah ausgebildet werden, kann das Regenwasser zumindest zu einem Teil auch versickern. Die bevorzugte Variante beim Bau eines Rückhaltebeckens im öffentlichen Raum oder bei größeren Baumaßnahmen sollte deshalb immer eine offene Bauweise sein. 

Ein Rückhaltebecken kann mit und ohne Dauerstau betrieben werden. Das bedeutet, dass sie entweder permanent unter Wasser stehen oder wieder trockenfallen. 

Spezielle Drosselbauwerke regulieren die Wassermenge, die das Becken verlässt. Auf Privatgrundstücken werden oberirdische Rückhaltungen in der Regel als Mulden angelegt. 

Bauliche Ausführung

Ein Regenrückhaltebecken oder eine Rückhaltemulde kann auch auf eingeschränkt versickerungsfähigem Boden hergestellt werden. In der Regel ist ein oberirdischer und offen sichtbarer Notüberlauf für Starkregenereignisse vorzusehen. Eine Vorreinigung nach Stand der Technik hilft dabei, die Sedimentansammlung über die Nutzungsdauer zu reduzieren. Ein möglicher Rückstau aus dem öffentlichen Siel ist zu prüfen und gegebenenfalls zu verhindern.

 

Technische Regelwerke

Die Bemessung zur Rückhaltung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt 117 „Bemessung von Regenrückhalteräumen“ und DIN 1986-100 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056“. Die konstruktive Gestaltung und Ausrüstung erfolgen nach DIN 1986-100, DWA-Arbeitsblatt 166 „Bauwerke der zentralen Regenwasserbehandlung und -rückhaltung - Konstruktive Gestaltung und Ausrüstung“ und DWA-Merkblatt 176 „Hinweise zur konstruktiven Gestaltung und Ausrüstung von Bauwerken der zentralen Regenwasserbehandlung und -rückhaltung“.

 

Flächenbedarf

Bei einer oberirdischen Bauweise benötigen Rückhaltebecken und -mulden abhängig von Tiefe und Böschungsneigung eine Fläche von 5 bis 10 Prozent der undurchlässigen angeschlossenen Fläche. Die Größe hängt vor allem von dem durchschnittlichen Niederschlag, der Jährlichkeit des Bemessungsregens, der benötigten Drosselabflussspende und Einstauhöhe ab.

 

Wartung und Unterhaltung

Die Drosseleinrichtung ist nach großen Regenereignissen, mindestens aber einmal im Jahr, auf ihre Funktion zu überprüfen. Bei offenen Becken und Mulden ist das im Retentionsraum befindliche Gras mindestens jährlich zu mähen und die Böschungen auf Standsicherheit zu prüfen. Die abgelagerten Sedimente sind nur dann zu beräumen, wenn sie das zur Verfügung stehende Speichervolumen wesentlich reduzieren oder die Funktionalität der Drosseleinrichtung einschränken. Das regelmäßige Reinigen und Kontrollieren der Leitungen sowie das Durchspülen von Rohren kann aber notwendig sein.

 

Kombinationsmöglichkeiten

Kombinationen mit Versickerungsanlagen, mit anderen Rückhalteanlagen sowie mit Regenwasserbehandlungs- und nutzungsanlagen sind möglich.

 

Genehmigung und Erlaubnisse

Einleitungen ins Siel bedürfen einer Sielanschlussgenehmigung von HAMBURG WASSER. Sofern eine Einleitungsmengenbegrenzung festgelegt wird, ist zusätzlich eine Einleitungsgenehmigung der Umweltbehörde erforderlich. Einleitungen in Oberflächengewässer bedürfen der Erlaubnis durch die zuständige Wasserbehörde. 

 

Gestaltbarkeit 

Im Falle einer offenen, naturnahen Bauweise können sich positive Effekte durch die Vegetation innerhalb des Beckens und um das Regenrückhaltebecken herum ergeben. 

 

Weniger Risiko bei Starkregen!

Das Regenrückhaltebecken kann das Überflutungsrisiko durch den zeitweiligen Wassereinstau deutlich reduzieren.

Wasserhaushalt 

In einem offenen Becken kann das Regenwasser versickern und verdunsten und kommt so dem naturnahen Wasserhaushalt zugute. 

 

Wasserqualität 

Im Retentionsraum verringert sich die Fließgeschwindigkeit, wodurch sich Stoffe absetzen. Dadurch kann ein Regenrückhaltebecken in vielen Fällen auch eine Reinigungsfunktion erfüllen. 

 

Rückhalt des Wassers 

Abflussspitzen können durch das in der Regel große Speichervolumen deutlich reduziert werden. Die Menge des Abflusses kann durch ein Rückhaltebecken jedoch nicht reduziert werden. 

 

Grün & Klima

Durch eine offene Bauweise hat die Verdunstung des Regenwassers einen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur. Wenn das Becken naturnah gestaltet ist, können sich positive Effekte durch die Vegetation innerhalb des Beckens und um das Regenrückhaltebecken herum ergeben. 

Die Kosten für Bau und Unterhaltung sind abhängig von Flächengröße und gewählter Bauweise, sowie weiteren Faktoren wie zum Beispiel der Bedarf für verkehrssicherungspflichtige Anlagen. Sie lassen sich daher nicht pauschal angeben.

Hinweis

Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.

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