
Rigole
Wenn an der Oberfläche keine Möglichkeit der Rückhaltung von Regenwasser besteht, kann die Zwischenspeicherung in unterirdischen Rigolen eine Lösung sein.
- Zweck
Speicherung, Rückhalt und Nutzung
- Flächenbedarf
300 bis 400 Quadratmeter pro Hektar der angeschlossenen Fläche
- Unterhaltung
Kontrolle der Schächte und Sickerstränge
- Effekte
- Wasserhaushalt
- Reinigungsleistung
- Stadtklima
- Biodiversität
- Starkregenvorsorge
Eine Rigole ist ein unterirdischer Speicherkörper aus Kies, Schotter oder Kunststoff, der das Regenwasser von gering verschmutzten Flächen, zum Beispiel Fußwegen oder nicht metallischen Dachflächen aufnehmen kann. Hier wird das Wasser zwischengespeichert und zeitverzögert in den Untergrund versickert oder gedrosselt ins Siel (Kanalisation in Hamburg) oder ein Oberflächengewässer abgeleitet. Diese Verzögerung beziehungsweise Drosselung ist notwendig, um einen natürlicheren Abfluss in Gewässern herzustellen oder die Siele vor Überlastung zu schützen.
Die Rigole eignet sich besonders bei beengten Platzverhältnissen, wenn oberirdische Maßnahmen nicht möglich sind. Wenn möglich sind oberirdische Rückhaltungen oder Mulden-Rigolen-Systeme vorzuziehen, die Verdunstungsleistung zu erhöhen und damit zu einem guten Kleinklima beizutragen. Sofern nur unterirdische Rigolen realisierbar sind, sind diese möglichst offen zu gestalten, zum Beispiel als Tiefbeete.
Eignung
Aufgrund der fehlenden Reinigungsleistung der belebten Bodenzone kann ohne eine zusätzliche Vorreinigung lediglich stofflich unbedenkliches Wasser, wie zum Beispiel von nicht-metallischen Dächern, zugeleitet werden. Die Zuleitung von Niederschlagswasser von stärker belasteten Flächen, wie zum Beispiel vielbefahrene Straßen, kann in Kombination mit einer Vorreinigung möglich sein. Hierbei ist eine Einzelfallprüfung durch die zuständige Wasserbehörde nötig.
Kombinationsmöglichkeiten
Retentionsdächer sind mit Solaranlagen kombinierbar. Eine Kombination mit Versickerungsanlagen auf dem Grundstück, wie zum Beispiel Muldenversickerung oder Regenwasserzisternen, ist möglich.
Bestandteile
Rigolen können aus Schotter oder Kies bestehen, das Wasser wird dann in den Hohlräumen zwischen den einzelnen Steinen gespeichert. Eine andere Möglichkeit sind Füllkörper aus Plastik mit sehr großem Speichervolumen.
Bemessung
Wie groß eine Rigole sein muss, wird nach technischen Regelwerken bemessen.
- Die Bemessung zur Rückhaltung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt 117„Bemessung von Regenrückhalteräumen“ und DIN 1986-100 „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056“,
- die Bemessung zur Versickerung erfolgt nach DWA-Arbeitsblatt 138-1 „Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser“.
Zur Auslegung der Anlage sollte Fachpersonal konsultiert werden und eine Baugrunduntersuchung durchgeführt werden. Ein eventueller Rückstau aus dem Siel ist entsprechend der DIN 1989-100 zu berücksichtigen.
Bei einer Versickerung ist zu beachten, ob diese aufgrund der Bodeneigenschaften möglich ist. Die Wasserdurchlässigkeit der Bodenschicht wird durch den so genannten „kf-Wert“ angegeben. Damit eine Versickerung möglich ist, muss der kf-Wert unterhalb der Rigolensohle größer oder gleich 1 mal 10-6 Meter pro Sekunde sein. Bei geringen Werten geht die Versickerung nur sehr langsam vonstatten. Hier kann eine oberirdische und offen sichtbare Überlaufmöglichkeit mit Drosselung aus der Rigole in ein Siel oder ein Oberflächengewässer vorgesehen werden.
Frostschutz
Rigolen sind in ausreichender Tiefe herzustellen. Zum einen wird die Anlage dadurch vor Frost geschützt, zum wird dadurch bei Rigolen unterhalb von Verkehrsflächen eine ausreichende Lastverteilung gewährleistet.
Wartung und Unterhaltung
Eine halbjährliche Inspektion der Kontrollschächte und bei Bedarf eine Entschlammung ist für eine reibungslose Funktion nötig. Je nach Alter und Zustand kann auch eine Inspektion der Sickerstränge und deren Spülung notwendig werden.
Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige
Einleitungen ins Siel bedürfen einer Sielanschlussgenehmigung von HAMBURG WASSER. Sofern eine Einleitungsmengenbegrenzung in dieser festgelegt wird, ist zusätzlich eine Einleitungsgenehmigung der Umweltbehörde erforderlich. Einleitungen in Oberflächengewässer bedürfen der Erlaubnis durch die zuständige Wasserbehörde. Versickerungsanlagen sind grundsätzlich erlaubnispflichtig. Bei Versickerungsanlagen auf Wohngrundstücken mit einer angeschlossenen Fläche kleiner 250 Quadratmeter genügt die Anzeige bei der Umweltbehörde, vorausgesetzt die Bedingungen zur Gewährleistung des Grundwasserschutz werden eingehalten. Näheres kann auf den Behördenwebseiten zu Regenwasserrückhaltung und Überflutungsschutz auf Grundstücken und zu Informationen zur Niederschlagswasserversickerung nachgelesen werden.
Geld sparen!
Wird das Niederschlagswasser über die Rigole vor Ort versickert, ohne Notüberlauf ins Siel, entfällt die Niederschlagswassergebühr für die angeschlossene Fläche. Gibt es einen Notüberlauf, wird 50 Prozent der Fläche zur Berechnung der Niederschlagswassergebühr herangezogen. Der Notüberlauf ist oberirdisch und offen sichtbar zu installieren bis zur Anbindung an den Anschluss zum Regen- oder Mischwassersiel. Sofern die Rigole mit einer Regenwassernutzung kombiniert wird, sind ebenfalls Einsparungen bei der Niederschlagswassergebühr möglich.
Platz sparen!
Abgesehen von Schachtdeckeln werden oberirdisch keine Flächen benötigt.
Weniger Risiko bei Starkregen!
Die Rigole kann bei ausreichender Größe das Überflutungsrisiko deutlich verringern.

Wasserhaushalt
Es gibt nur dann einen positiven Effekt auf den Wasserhaushalt, wenn das Wasser aus der Rigole versickert wird. Dann trägt es zur Grundwasserneubildung bei und versorgt anteilig die nähere Vegetation.
Wasserqualität
In die Rigole darf aus Gründen des vorbeugenden Grundwasserschutzes, und um die Versickerungsleistung dauerhaft zu gewährleisten, nur unbelastetes oder vorgereinigtes Regenwasser eingeleitet werden. Auch bei einer Speicherrigole ist die Wasserqualität durch geeignete Reinigungsanlagen nach den emissions- und immissionsseitigen Anforderungen gemäß DWA-Arbeitsblatt 102 „Grundsätze zur Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen zur Einleitung in Oberflächengewässer“ zu reinigen.
Wasserrückhalt
Durch die verzögerte Ableitung (Drosselung) oder Versickerung des Regenwassers werden die Siele und Oberflächengewässer entlastet.
Grün & Klima
Aufgrund der unterirdischen Bauweise hat die Rigole keinen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur. Nur in Kombination mit einer Versickerung entsteht durch die Grundwasseranreicherung ein positiver Effekt auf Pflanzen.
Je nach Bauweise der Rigole liegen die Kosten bei circa 2000 bis 4000 Euro pro Kubikmeter beziehungsweise 80 bis 200 Euro pro Quadratmeter abflusswirksamer Fläche.
Hinweis
Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.










