Ein begrüntes Dach auf dem Photovoltaikanlagen angebracht wurden.

Dachbegrünung

Die Begrünung von Dachflächen verbessert das Stadtklima und kann erheblich zur Minderung und Verzögerung des Regenwasserabflusses beitragen. Es gibt extensive und intensive Dachbegrünungen sowie Retentionsgründächer, die je nach Substratschicht und Pflanzenart unterschiedliche Vorteile bieten. Gründächer können Regenwasser zurückhalten, Energiekosten senken und die Lebensdauer von Dächern verlängern.

  • Zweck

    Verdunstung

  • Flächenbedarf

    entspricht der Dachfläche

  • Unterhaltung

    Kontrolle der Vegetation, des Daches, der Schächte; Mahd, Düngen

  • Effekte
    • Wasserhaushalt
      Effekt auf Wasserhaushalt: 2 von 3
    • Reinigungsleistung
      Effekt auf Reinigungsleistung: 1 von 3
    • Stadtklima
      Effekt auf Stadtklima: 2 von 3
    • Biodiversität
      Effekt auf Biodiversität: 3 von 3
    • Starkregenvorsorge
      Effekt auf Starkregenvorsorge: 1 von 3

Die Begrünung von Dachflächen hat erheblichen Einfluss auf die Abflussverzögerung und Abflussminderung für überbaute Flächen.

Es werden drei Varianten der Begrünung unterschieden: Extensive und intensive Dachbegrünung sowie ein Retentionsgründach. Bei einer extensiven Begrünung ist die Substratschicht auf dem Dach gering, sodass sich nur niedrige Pflanzen wie Sedum-Arten, Gräser oder Kräuter mit einem geringen Pflegebedarf entwickeln können. Bei einer intensiven Begrünung ist das durchwurzelbare Substrat mächtiger, sodass auch pflegeintensivere Pflanzenarten wie Stauden, Sträucher und sogar Bäume angepflanzt werden können. Welche Art der Begrünung zum Einsatz kommt, hängt unter anderem von der Tragfähigkeit des zu begrünenden Daches und eventuell von Festsetzungen des Bebauungsplanes ab.

Extensive Gründächer ermöglichen je nach Ausführung eine Rückhaltung und Verdunstung von bis zu 70 Prozent des anfallenden Regenwassers. Gleichzeitig dienen sie als Schallschutz sowie zur Verbesserung des sommerlichen und winterlichen Wärmeschutzes. Durch die Vegetation erfolgt eine Ausfilterung von Staub und Schadstoffen aus Luft und Regenwasser. Bei intensiv begrünten Dächern werden diese Effekte weiter verstärkt.

Etliche Studien belegen, dass Dächer mit einer Begrünung besser gegen extreme Wetterlagen geschützt sind und daher eine deutlich längere Lebenszeit besitzen als einfache bitumengedichtete Dächer.

Im Gegensatz zu intensiv begrünten Dächern werden extensive Dachbegrünungen weitestgehend selbsterhaltend aufgebaut, so dass keine zusätzliche Bewässerung notwendig wird.

Eignung

Der Einsatz einer Dachbegrünung ist auf Flach- und Schrägdächern bis maximal 40° Dachneigung möglich. Bei einer Dachneigung von mehr als 15° sind Schubsicherungen einzubauen.

 

Aufbau

Extensive Begrünungen benötigen in der Regel einen Schichtaufbau von 5 bis 15 Zentimetern. Der Einbau kann auf Neubauten und wegen der geringen Schichtstärke auch auf vorhandenen Gebäuden erfolgen. Das Auflagegewicht liegt wassergesättigt bei circa 60 bis 170 Kilogramm pro Quadratmeter. Intensive Begrünungen können in der Regel ab einem Schichtaufbau von 25 Zentimeter hergestellt werden. Der Einbau kann in der Regel nur auf Neubauten erfolgen. Das Auflagegewicht liegt wassergesättigt zwischen circa 150 bis 1300 Kilogramm pro Quadratmeter.

 

Technische Regelwerke

Die Regeln der Technik zu Planung und Bau von Dachbegrünungen finden sich in der Dachbegrünungsrichtlinie „Richtlinie für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünungen“ der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung, Landschaftsbau (FLL). Die Dachentwässerung ist gemäß DIN 1986-100 und DIN EN 12056 auszuführen.

 

Solargründach-Pflicht

Solargründächer sind die Kombination von aufgeständerten Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen auf Dächern mit Begrünung. Ab dem Jahr 2027 werden diese in Hamburg verpflichtend für Neubauten und Dachsanierungen sein. Sie verbinden die Erzeugung erneuerbarer Energie mit Regenwasserbewirtschaftung und Hitzevorsorge.

 

Brandschutz

Brandschutztechnische Erfordernisse bei Gründächern sind zu beachten und werden zum Beispiel in der Hamburger Veröffentlichung „Dachbegrünung. Leitfaden zur Planung“ ausführlich behandelt.

 

Wartung und Unterhaltung

Bei extensive Begrünungen genügen für die Pflege ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr. Zusätzliche Bewässerung ist nicht notwendig. Gehölzsämlinge und unerwünschter Fremdbewuchs sollten entfernt und die Dachrandbereiche auf Hinterwurzelungen durch Pflanzen geprüft werden. Auch die Entwässerungseinrichtungen sollten inspiziert und wenn nötig gespült werden. Falls erforderlich, kann die Vegetation ab einer Wuchshöhe von 30 Zentimeter gemäht und das Mähgut abgetragen werden. Düngung sollte nur mit Langzeitdünger in der Anwuchsphase oder bei Auftreten von Mangelsymptomen vorgenommen werden.

Bei intensiver Begrünungen ist die Pflege der Anlage vom Gießen bis zum Unkrautjäten mit der eines ebenerdigen Gartens vergleichbar.

 

Kombinationsmöglichkeiten

Gründächer sind mit Solaranlagen kombinierbar. Eine Kombination mit Versickerungsanlagen auf dem Grundstück, wie zum Beispiel Muldenversickerung oder Regenwasserzisternen, ist möglich. 

 

Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige

Die extensive Begrünung als Teil einer Dacheindeckung bedarf in der Regel keiner gesonderten Genehmigung. Sind auf dem begrünten Dach Aufenthaltsbereiche beabsichtigt, sind Baugenehmigungen erforderlich. Antrag und Genehmigung erfolgt in der Regel im Rahmen des Bauantragsverfahrens. Vor Herstellung einer Dachbegrünung ist zunächst die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion zu prüfen.

Weniger Hitze!

Durch Verdunstung und Verschattung sowie Absorption der Sonneneinstrahlung sind grüne Dächer zwischen 30 bis 60 Prozent kühler als Kiesdächer. Das können gern auch 30 Grad Celsius Unterschied sein!

 

Kosten sparen!

Da das begrünte Dach Regenwasser zurückhält, können Eigentümer eines Gründachs 50 Prozent der Niederschlagswassergebühr bei HAMBURG WASSER einsparen. Wenn die begrünten Dachflächen aufgrund einer Versickerungsanlage oder Einleitung in ein Oberflächengewässer nicht an das öffentliche Entwässerungssystem angeschlossen werden, entfällt die Gebühr sogar komplett. 
Gründächer können helfen, Energiekosten für Heizung oder Klimaanlage einzusparen: Es dämmt im Winter und kühlt im Sommer. Photovoltaikanlagen arbeiten auf Gründächern effektiver: Durch die Begrünung wird die Umgebungstemperatur gesenkt, dadurch erhöht sich der Wirkungsgrad der Solarzellen um etwa 5 Prozent. Die Vegetation schützt zudem die Dachabdichtung vor Wettereinflüssen, so dass begrünte Dächer bis zu doppelt so lange halten wie konventionelle Flachdächer.

 

Mehr Natur!

Grüne Dächer fördern die städtische Artenvielfalt und stellen oft dringend benötigte „Trittsteine“ für Vögel und Insekten dar.

 

Dächer erleben!

Ein intensives Gründach kann begehbar gestaltet werden und zusätzlichen grünen Aufenthaltsraum schaffen. Sie sind für Anwohnende und Mitarbeitende besonders attraktiv, hier können sie sich erholen, Sport treiben oder Blumen pflanzen. Nicht begehbare, naturnahe extensive Gründächer sind als grüne ungestörte Lebensräume schön anzusehen.

 

Besseres Klima!

In dichten, großflächig bebauten Wohn- und Gewerbegebieten sind Dachbegrünungen zur Verbesserung des Kleinklimas hilfreich.

 

Weniger Gefahr bei Starkregen!

Eine Dachbegrünung kann, in Abhängigkeit von der Größe und der Substratstärke, das Überflutungsrisiko durch die zeitweilige Wasserspeicherung reduzieren.

 

Förderung bekommen!

Die Hamburger Gründachförderung bietet Bauenden bis 2027 besondere Anreize, sich für ein Gründach zu entscheiden. Die Stadt finanziert 40 bis 60 Prozent der Herstellungskosten. Die genauen Bedingungen erklärt die „Förderrichtlinie für die Herstellung von Dachbegrünung und begrünten Fassaden“ in den Links. Die Fördergelder sind zu beantragen bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB).
 

Wasserhaushalt

Durch eine Dachbegrünung wird das Regenwasser zwischengespeichert und über eine flächige Verdunstung in Teilen in den Wasserkreislauf zurückgeführt.

 

Wasserqualität

Das Regenwasser wird über die Substratschicht gereinigt. Je nach Substratmächtigkeit ist dabei eine geringe Reinigung feststellbar. 

 

Rückhalt des Wassers

Der Spitzenabfluss wird je nach Regenereignis um bis zu 50 Prozent (extensive Begrünung), beziehungsweise bis zu 70 Prozent (intensive Begrünung) vermindert. Durch die Verdunstung und Rückhaltung des Regenwassers werden die Siele und die Oberflächengewässer entlastet.

Grün & Klima

Unbegrünte Dächer wandeln circa 95 Prozent der Sonnenstrahlung in Wärme um. Extensiv begrünte Dächer wandeln dagegen in den Sommermonaten 58 Prozent der Sonnenstrahlung in die Verdunstung von Wasser um und tragen somit zur allgemeinen Verbesserung des Stadtklimas bei. Die Verdunstungsrate und das Speichervolumen von Niederschlagswasser auf dem Dach richtet sich nach der Dachneigung, der Substratstärke und der Art der Bepflanzung.
Die Reduktion der Oberflächentemperatur im Vergleich zu unbegrünten Dächern liegt bei bis zu 17,0 °C (extensiv) und 18,5 °C (intensiv) und die Reduktion der lokalen Lufttemperatur liegt kann -1,6 °C betragen.
abhängig von Gebäudehöhe, Vorfeuchte und meteorologischen Rahmenbedingungen.
Alle Formen der Dachbegrünung, extensiv oder intensiv, tragen zur Schaffung von Ersatzräumen für Pflanzen und Tiere, also zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei.

Extensive Dachbegrünung im Neubau

Die Kosten sind abhängig von Flächengröße, statischen Vorgaben, gewähltem Schichtenaufbau und Art der Bepflanzung und liegen bei circa 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter.

 

Extensive Dachbegrünung im Bestand

Nur nach Kostenvoranschlag. Bei vorhandenen Dächern werden möglicherweise eine vorherige Sanierung der Dachdichtung und eine Erneuerung der Anschlüsse und Abläufe notwendig.

 

Intensive Dachbegrünung

Nur nach Kostenvoranschlag.
 

Hinweis

Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.

Für eine Dachbegrünung kann eine Förderung beantragt werden. Erfahren Sie mehr über die Hamburger Gründachförderung.

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