Fassadenbegrünung

Grüne Fassaden verbessern das Stadtklima, erhöhen die Artenvielfalt und verschönern das Stadtbild. Es gibt bodengebundene und wandgebundene Begrünungssysteme, die je nach Standort und Gestaltungszweck ausgewählt werden. Gespeichertes Regenwasser eignet sich besonders gut zur Bewässerung dieser vertikalen Gärten.

  • Zweck

    Verdunstung

  • Flächenbedarf

    falls bodengebunden: Bedarf für Beetfläche

  • Unterhaltung

    Kontrolle der Vegetation, Kletterhilfe, Bewässerung, Frostsicherung

  • Effekte
    • Wasserhaushalt
      Effekt auf Wasserhaushalt: 2 von 3
    • Reinigungsleistung
      Effekt auf Reinigungsleistung: 0 von 3
    • Stadtklima
      Effekt auf Stadtklima: 2 von 3
    • Biodiversität
      Effekt auf Biodiversität: 3 von 3
    • Starkregenvorsorge
      Effekt auf Starkregenvorsorge: 0 von 3

Grüne Fassaden sorgen für ein besseres Stadtklima, erhöhen die Naturvielfalt, schaffen gesündere Lebensverhältnisse und verschönern das Stadtbild. Fassadenbegrünung gibt es als bodengebundene Begrünung und wandgebundene Begrünung sowie in Mischformen aus beiden. Grüne Fassaden sind an vielen verschiedenen Bauwerken umsetzbar. Der Aufbau und Standort der Wand, der Gestaltungszweck und die Wuchseigenschaften der Pflanzen bestimmen die Wahl des Begrünungstyps. Die weitverbreitetste Form der Fassadenbegrünung ist die bodengebundene Begrünung. In der Regel bedeutet dies, dass Kletterpflanzen im Erdboden vor die Wand gepflanzt sind. Die Pflanzen nehmen das Wasser und die Nährstoffe direkt aus dem Erdreich auf. Oft ist die bodengebundene Begrünung eine kostengünstige und pflegeleichte Lösung. Die bodengebundene Fassadenbegrünung ist zudem zu bevorzugen, da sie weniger Wasser benötigt und in Trockenperioden weniger anfällig ist. Wandgebundene Begrünungen haben keinen Boden- und Bodenwasseranschluss.

Die begrünten Systeme hängen dabei an der Gebäudewand oder stehen vor der Fassade. Die Begrünung ist mit einer vielfältigen Mischung aus Gräsern, Blühstauden, Kräutern und Sträuchern möglich.

Diese vertikalen Gärten benötigen eine gesteuerte Bewässerungstechnik mit Nährstoffversorgung. Empfehlenswert ist hierfür die Nutzung von unbelastetem Dachwasser. Das Regenwasser wird in Pflanzbeeten, -trögen oder Wandsystemen aufgenommen und gespeichert und über die Pflanzen verdunstet. Überschüssiges Wasser wird bei bodengebundenen Systemen versickert und in wandgebundenen Systemen über Rinnen aufgefangen und abgeführt.
 

Eignung

Neu- und Bestandsgebäude und auch andere Bauwerke bieten häufig die Möglichkeit für eine Fassadenbegrünung. Für die Planung einer Fassadenbegrünung sollte das zu erreichende Ziel durch eine Begrünung definiert werden. Daraus ergibt sich die Wahl des geeigneten Begrünungssystems. Für technische und architektonische Fragen empfiehlt sich möglichst frühzeitig ein Fachplanungsbüro einzubeziehen. Für baurechtliche Fragestellungen ist die Bauaufsichtsbehörde des zuständigen Bezirksamtes zu kontaktieren.
Bei der Umsetzung der Fassadenbegrünung sind gegebenenfalls die DIN 18915 (Vegetationstechnik im – Bodenarbeiten) und die DIN 18916 (Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten) zu beachten.


Bewässerung

Wandgebundene Systeme sollten mit einer automatisierten Bewässerung, mit gekoppelter Düngung versehen werden, um eine kontinuierliche Wasser- und Nährstoffversorgung zu gewährleisten. Zur Bewässerung ist die Verwendung von Regenwasser zu bevorzugen. Zu beachten ist, dass das System bei Frost geschützt ist bzw. sich abschalten lässt.
 

Brandschutz

Eine Einteilung von Fassadenbegrünungen in Brandschutzklassen nach der DIN 4102 (Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen) ist nicht möglich. Eine begrünte Fassade ist aus Sicht des Brandschutzes daher im Einzelfall zu betrachten. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Größe und Höhe sowie die Art der Nutzung eines Gebäudes. Bei kleineren Gebäuden mit einer Höhe bis zu 7 Meter (Gebäudeklasse 1 bis 3), die keine Sonderbauten sind, unterliegt eine Fassadenbegrünung keinen besonderen brandschutztechnischen Regularien. Anders verhält es sich bei Gebäuden höherer Gebäudeklassen (4 und 5) oder Sonderbauten, wie beispielsweise Hochhäusern oder Kitas. Um einer Brandgefahr vorzubeugen, sollte schon zu einem frühen Planungszeitpunkt ein Pflege- und Bewässerungskonzept für die Fassadenbegrünung erstellt werden, das eindeutige Aussagen zu Pflanzenarten, Art der Bewässerung sowie organisatorischen Maßnahmen zur Pflege und Erhaltung der Begrünung enthält. Denn trockene und insbesondere tote Pflanzen können die Brandlast erhöhen. Bauordnungsrechtliche Hinweise sind zu finden in den FAQ´s Brandschutz und Fassadenbegrünung.


Regen und Fassadenbegrünungen

Aufgrund des häufig geringen Wurzelraumes einer Fassadenbegrünung, kann diese Regenwasser bei Starkregenereignissen nur in einem geringen Umfang zurückhalten. Je nach Gestaltung, Ausführung und Pflanzenart kann eine Fassadenbegrünung jedoch eine hohe Verdunstungsrate in den Sommermonaten aufweisen. Dadurch lässt sich die Ableitung ins öffentliche Siel in der Jahresbilanz deutlich reduzieren, wenn Dachwasser zur Bewässerung verwendet wird.


Unterhaltung

Für die Entwicklungs- und Unterhaltungspflege ist die DIN 18919 (Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Instandhaltungsleistungen für die Entwicklung und Unterhaltung von Vegetation) zu beachten.
Bodengebundenen Systeme:

  • Sichtkontrolle mindestens ein- bis zweimal im Jahr
  • Wässern und Düngen der Pflanzen 
  • gegebenenfalls systembedingte Wartungsarbeiten an Kletterhilfen
  • Kontrolle der Triebe, eventuelle Schnitt- und Leitungsmaßnahmen, Entsorgung von Biomasse


Wandgebundene Systeme:

  • Mindestens zwei Pflege- und Wartungsdurchgänge pro Jahr
  • Gegebenenfalls Feststoffdüngerzugabe oder Flüssigdünger über Bewässerungsanlage
  • Rückschnitt von Vegetation und Entfernen von Fremdvegetation
  • Form- und Erziehungsschnitte zum Beispiel bei Gehölzen
  • Entfernen und Ersetzen von ausgefallener Vegetation
  • Gegebenenfalls Substrat ergänzen und austauschen

 

Kombinationsmöglichkeiten

Die Kombination mit Versickerungsanlagen, zum Beispiel Muldenversickerung oder auch mit Regenwassernutzungsanlagen ist möglich.
 

Genehmigung, Erlaubnis und Anzeige

Die Antragsstellung und Genehmigung für Fassadenbegrünungen im Neubau erfolgt in der Regel im Rahmen des Bauantragsverfahrens. Für Fassadenbegrünungen an Bestandsgebäuden ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine baurechtliche Genehmigung erforderlich ist, zum Beispiel im Hinblick auf Denkmalschutz, Erhaltungsverordnungen, Gestaltungssatzungen oder Wegerecht.
 

Energie sparen!

Die Fassadenbegrünung bietet, je nach Größe der begrünten Fläche, bis zu 25 Prozent Energieeinsparpotenzial bei der Gebäudekühlung.

 

Schönere Stadt!

Durch grüne Fassaden können Orte geschaffen werden, an denen Menschen sich wohlfühlen und üppiges Grün zum Verweilen einlädt. Durch die große Breite an möglichen Pflanzen besteht eine umfangreiche Gestaltungsfreiheit, sogar essbare Fassaden sind möglich!

 

Mehr Natur!

Grüne Fassaden sind Insektenhotel und Zuhause für Vögel und Fledermäuse. Sie helfen daher Lebensraum zu schaffen und die Artenvielfalt in der Stadt zu erhöhen.

 

Weniger Lärm, bessere Luft!

Kletterpflanzen binden Feinstaub, filtern Stickstoffdioxid und produzieren Sauerstoff. Dadurch sind sie sehr effektive Luftreiniger. Durch die Streuung kommt es zur Reduktion von Mehrfachreflexion von Schall. Hierdurch kann die Beeinträchtigung durch Straßenlärm gemindert werden.

 

Förderung bekommen!

Die Umweltbehörde stellt mit der Erweiterung der Hamburger Gründachförderung um Grüne Wände Eigentumsparteien und Erbbauberechtigten für freiwillige Maßnahmen besondere Anreize, eine Fassadenbegrünung anzulegen. Die Stadt finanziert 60 Prozent der Kosten. Die genauen Bedingungen erklärt die „Förderrichtlinie für die Herstellung von Dachbegrünung und begrünten Fassaden“. Die Fördergelder sind bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) zu beantragen.
 

Wasserhaushalt

Durch eine Fassadenbegrünung wird das Regenwasser insbesondere im Frühjahr und in den Sommermonaten über eine flächige Verdunstung in Teilen in den Wasserkreislauf zurückgeführt.


Grün & Klima

Großflächige Begrünungen tragen während der warmen Jahreszeit in erheblichem und messbarem Umfang zur passiven Gebäudekühlung bei. Dies wird zum einen durch die natürliche Verschattung der Gebäudeoberfläche erreicht. Zum anderen ergibt sich bei einer Fassadenbegrünung ein Klimatisierungseffekt beruhend auf der sogenannten Verdunstungskälte. Grünflächen wandeln mehr als 80 Prozent der Sonnenstrahlungsenergie in die Verdunstung von Wasser um. Bei freier Fassadenfläche werden dagegen 90 Prozent der Einstrahlung in Wärme umgesetzt. Die durchschnittliche Verdunstungsrate einer Kletterpflanze mit 20 Meter Höhe, die aus dem Wurzelraum in einer Kübelbegrünung versorgt wird, kann laut Studien 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter Kübeloberfläche betragen. Fassadenbegrünungen tragen zusätzlich zur Erhöhung der biologischen Vielfalt bei.
 

Die Kosten für bodengebundene Systeme stehen in Abhängigkeit zu der Pflanzenwahl und einer eventuell erforderlichen Rankkonstruktion. Für sogenannte Selbstklimmer, wie beispielsweise Efeu und wilder Wein, wird keine Rankhilfe benötigt und die Kosten reduzieren sich auf den Anschaffungspreis der Pflanzen. Die Kosten für Ranksysteme liegen circa zwischen 80 bis 200 Euro pro Quadratmeter.

Wandgebundene System sind aufgrund der Bewässerung und der aufwändigeren Befestigung sehr viel kostenintensiver. Je nach System entstehen Herstellungskosten von 370 bis 1.200 Euro pro Quadratmeter. Auch in der Pflege sind wandgebundene Systeme deutlich teurer als bodengebundene Systeme.
Weitere Hinweise zu Kosten bietet der FLL-Leitfaden Gebäude, Begrünung, Energie und das Handbuch Grüne Wände.
 

Hinweis

Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.

Für eine Fassadenbegrünung kann eine Förderung beantragt werden. Erfahren Sie mehr über die Hamburger Gründachförderung.

Ausgewählte Projekte zu dieser Maßnahme

Bunker St PauliEin grünes Aushängeschild für Hamburgs Zukunft

DESY Halle 36Rundum Grün auf dem Wissenschaftscampus