
Versickern macht Schule
Wie lässt sich eine Versickerungsmulde fachgerecht planen? Welche Untersuchungen sind vor Ort erforderlich? Und wie werden Messwerte so ausgewertet, dass daraus eine belastbare Bemessung entsteht? Antworten auf diese Fragen liefert ein Bericht der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft zur Dimensionierung einer Versickerungsmulde am Schulstandort Alsterredder.
Der Bericht dokumentiert anschaulich, wie aus einem vor Ort durchgeführten Versickerungsversuch eine konkrete Planung abgeleitet wurde. Damit dient er nicht nur als Grundlage für die Maßnahmen am Alsterredder, sondern auch als praxisorientierte Arbeitshilfe für vergleichbare Projekte an anderen Standorten.
Der Versickerungsversuch als Grundlage der Planung
Für die Dimensionierung von Versickerungsanlagen ist die Kenntnis der örtlichen Bodenverhältnisse entscheidend. Daher wurde am Standort ein Versickerungsversuch mit einem Doppelring-Infiltrometer durchgeführt. Bei diesem Verfahren werden zwei konzentrische Ringe in den Boden eingebracht und mit Wasser gefüllt. Während der äußere Ring seitliche Wasserbewegungen minimiert, wird im inneren Ring gemessen, wie schnell das Wasser versickert.
Aus der zeitlichen Absenkung des Wasserstandes kann die Infiltrationsrate des Bodens bestimmt werden. Diese Kennzahl bildet die wesentliche Grundlage für die Planung von Versickerungsanlagen, da sie die tatsächlichen Bedingungen am Standort widerspiegelt und eine belastbare Bemessung ermöglicht.
Von den Messwerten zur Versickerungsmulde
Auf Basis der ermittelten Versickerungswerte wurde die Versickerungsmulde nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (DWA-A 138) bemessen. Dabei fließen verschiedene Faktoren in die Planung ein:
- Größe und Art der angeschlossenen Flächen
- zu erwartende Niederschlagsereignisse
- Versickerungsfähigkeit des Bodens
- erforderliches Rückhaltevolumen
Zusätzlich wurde ein Überflutungsnachweis erstellt, um sicherzustellen, dass auch bei außergewöhnlichen Starkregenereignissen keine Schäden durch oberflächlich abfließendes Wasser entstehen.
Der Bericht als Leitfaden für die Praxis
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist ein ausführlicher Bericht, der die Durchführung des Versickerungsversuchs, die Auswertung der Messdaten sowie die daraus abgeleiteten Planungsschritte detailliert dokumentiert. Der Bericht dient nicht nur als Grundlage für die konkrete Maßnahme am Alsterredder, sondern auch als praxisorientierte Anleitung für vergleichbare Projekte an anderen Standorten.
Dabei wurde die Messmethodik und der Einsatz des Doppelring-Infiltrometers nachvollziehbar beschrieben. Die dabei entstandene Anleitung ist besonders gut geeignet für Planende, Kommunen und andere Projektbeteiligte.
Ausgangspunkt: Das Standortkonzept Alsterredder
Auslöser für die Entwicklung des Standortkonzeptes war das Starkregenereignis vom 10. September 2021. Dabei zeigte sich, dass die bestehende Kanalisation die anfallenden Wassermengen nicht vollständig aufnehmen konnte. Infolge der Überlastung drang Regenwasser in Gebäude ein und verursachte erhebliche Schäden.
Vor diesem Hintergrund wurde ein umfassendes Konzept zur Abkopplung vom Regenwassersiel und zur Verbesserung des lokalen Wasserhaushalts entwickelt. Die nun geplante Versickerungsmulde stellt den ersten umgesetzten Baustein dieses Gesamtkonzeptes dar und zeigt exemplarisch, wie eine schrittweise Anpassung an die Folgen des Klimawandels erfolgen kann.
Die Studie und das darauf aufbauende Konzept wurden gemeinsam von HAMBURG WASSER, Schulbau Hamburg (SBH) und der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) erarbeitet. Sie bilden die Grundlage für eine langfristige und naturnahe Regenwasserbewirtschaftung und können als Vorbild für weitere Schulstandorte und Quartiere in Hamburg dienen.



