Baumrigolen gegen die Trockenheit

In Hamburg-Harburg wird mit einem Pilotprojekt gezeigt, wie Stadtbäume auch bei Trockenheit effizient über innovative Baumscheiben mit Wasser versorgt werden könnten. Im Rahmen des Forschungsprojektes BlueGreenStreets und im Auftrag der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft haben zwei Hamburger Universitäten neue Methoden für das Regenwassermanagement getestet, um die Vitalität der Bäume das ganze Jahr über zu sichern.

Hölertwiete

Im Zuge der Neugestaltung der Fußgängerzone wurden mehrere neue Bäume gepflanzt und mit Baumrigolen ausgestattet. Das Regenwasser von angrenzenden Dachflächen wird über einen Bewässerungsschacht unterirdisch in die Baumgruben geleitet und dort gespeichert. Das Besondere: Die Baumrigole ist nach unten hin abgedichtet, sodass sich Regenwasser dort anstauen und gespeichert werden kann. Damit die Wurzeln nicht dauerhaft durchnässt werden, kann überschüssiges Wasser seitlich in die umgebenden Bodenbereiche frei versickern.

Durch das Speicherelement steht den Bäumen auch in längeren Trockenperioden Wasser zur Verfügung. Das soll den Pflegeaufwand und die Betriebskosten auf einen Bruchteil im Vergleich zu herkömmlichen Straßenbäumen reduzieren. Außerdem kann durch die bessere Wasserverfügbarkeit auch die Verdunstungsleistung der Bäume länger aufrechterhalten werden. Der Baum wirkt dann wie eine natürliche Klimaanlage und trägt an heißen Sommertagen zusätzlich zur Abkühlung der Fußgängerzone bei.

Bei Starkregenereignissen nehmen die Baumgruben so viel Wasser wie möglich auf. Sie können die Regenmenge jedoch nicht vollständig halten. Der Bewässerungsschacht hat einen Notüberlauf, über den das überschüssige Regenwasser kontrolliert in die Kanalisation geleitet wird. So reduziert sich gleichzeitig das Überflutungsrisiko. 

Als Teil des Forschungsprojekts BlueGreenStreets findet ein umfangreiches Monitoring des Bodenlufthaushalts und des Wasserhaushalts durch die HafenCity Universität und die Universität Hamburg statt. Damit soll die Wirksamkeit der Baumrigolen langfristig beobachtet werden und die neue Herangehensweise auf ihre Übertragbarkeit überprüft werden. Das Ziel des Forschungsprojektes war es, technische Lösungen zur Vergrößerung des Wasserspeichervolumens der Baumgruben und zur Verbesserung der Vitalität und Wasserverfügbarkeit für Bäume in Trockenzeiten zu finden. Die Baumstandorte wurden 2020 mit dem Bundespreis Stadtgrün ausgezeichnet!

Die Erkenntnisse sollen genutzt werden, um Baumrigolen zukünftig im Rahmen anstehender Sanierungen, insbesondere stark versiegelter Bereiche, vermehrt einzusetzen und fest in das Repertoire für klimaangepasste Stadtentwicklung aufzunehmen.