
Retentionsbodenfilter
Regenwasser wird gezielt gesammelt und biologisch gereinigt, bevor es in Gewässer oder das Grundwasser gelangt. So lassen sich Schadstoffe wirksam zurückhalten und die Gewässer schützen.
- Zweck
Regenwasserbehandlung
- Flächenbedarf
2 Prozent der angeschlossenen Fläche
- Unterhaltung
Reinigung Zulaufrinne; keine Mahd der Filtervegetation
- Effekte
- Wasserhaushalt
- Reinigungsleistung
- Stadtklima
- Biodiversität
- Starkregenvorsorge
Ein Retentionsbodenfilter ist ein naturnahes Filterbecken aus mit Schilf bewachsenem Sand. Diese Anlagen werden hauptsächlich zur Behandlung von stark verschmutztem Regenwasser verwendet.
Das Regenwasser wird zunächst in einen Geröllfang geleitet, wo das Wasser beruhigt wird und Feststoffe zu Boden schweben. Danach wird das Wasser in ein Speicherbecken (Retentionsraum) mit einem Filter aus sandigem Material geleitet, welches mit Schilf bepflanzt ist. Das Regenwasser wird so durch Filtration, durch Adsorption und biologischen Abbau gereinigt. Feststoffe und die daran gebundenen Schadstoffe werden an der Filteroberfläche nahezu vollständig zurückgehalten. Ein System aus Dränagen unterhalb des Bodenfilters nimmt das gereinigte Wasser auf und leitet es zum Ablauf in ein Oberflächengewässer.
Um das Wasser im Retentionsraum langsam abzugeben, werden Drosselbauwerke eingesetzt. Sollte dieser Speicherraum infolge eines Starkregenereignisses voll sein, springt in der Regel ein Notüberlauf an, um das Wasser schadlos überlaufen zu lassen.
Der Retentionsbodenfilter wird bevorzugt zur zentralen Regenwasserbehandlung ganzer Sieleinzugsgebiete und für die Straßenentwässerung eingesetzt.
Planung
Die Herstellung eines Retentionsbodenfilters kann weitestgehend unabhängig von den Bodenverhältnissen erfolgen. Es sind Wartungszugänge vorzusehen. In der Regel ist ein Notüberlauf für Starkregenereignisse einzuplanen.
Technische Regelwerke
Die Vorgaben und Planungsgrundsätze für Retentionsbodenfilter finden sich im DWA-Arbeitsblatt 178 „Retentionsbodenfilteranlagen“.
Sicherheit
In Hamburg müssen Anlagen der Hamburger Stadtentwässerung in der Regel eingezäunt werden. Anlagen, die Straßenabwässer behandeln, können laut einem Bericht des Landesbetriebs Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) je nach Gefährdungsbeurteilung auf eine Umzäunung verzichten.
Flächeninanspruchnahme
Für diese Anlagen werden circa 1 bis 2 Prozent der undurchlässigen angeschlossenen Fläche benötigt. Die Filteroberfläche hat dabei etwa die Größe von 100 Quadratmeter pro Hektar undurchlässiger angeschlossener Fläche.
Wartung und Unterhaltung
Die Filtervegetation darf nicht gemäht und beräumt werden. Die natürlicherweise herabfallenden Pflanzenreste unterstützen den Aufbau einer zweiten Filterschicht. Die Vorstufe und die Zulaufrinne sind in regelmäßigen Abständen von abgesetzten Sedimenten zu befreien. Gegebenenfalls ist besonders in der Anwuchsphase das Entfernen von Fremdbewuchs notwendig. Die Kosten für die Unterhaltung sind abhängig von der Flächengröße und der gewählten Bauweise.
Genehmigung
Nach einer Behandlung wird das gereinigte Wasser meist in ein Gewässer eingeleitet. Solche Einleitungen in Fließgewässer bedürfen der Erlaubnis durch die zuständige Wasserbehörde. Zur Genehmigung des Bauwerks muss zudem in der Regel ein Zustimmungsverfahren nach Hamburgischer Bauordnung (HBauO) über das Amt für Bauordnung und Hochbau der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) durchgeführt werden, um die Beteiligung aller erforderlichen Dienststellen zu gewährleisten.
Sehr gute Reinigungsleistung!
Der Retentionsbodenfilter hat einen sehr hohen Reinigungsgrad für viele Schad- und Nährstoffe.
Umgebung aufwerten!
Im Gegensatz zu unterirdischen Reinigungsanlagen hat ein Retentionsbodenfilter eine naturnahe Bauweise. Durch die Vegetation und das daraus entstehende Ökosystem kann die Freiraumqualität positiv beeinflusst werden.
Weniger Risiko bei Starkregen!
Der Retentionsbodenfilter kann das Überflutungsrisiko durch den zeitweiligen Wassereinstau deutlich reduzieren.
Hohe Verdunstung!
Die hohe Verdunstung durch das Schilf kann sich positiv auf das lokale Stadtklima auswirken und im Sommer zur Minderung von Hitze beitragen.

Wasserhaushalt
Das Regenwasser wird zwischengespeichert und flächig verdunstet. So wird es in Teilen dem lokalen Wasserkreislauf zurückgeführt.
Wasserqualität
Auf dem Sandfilter und den darauf abgelagerten Sedimenten bildet sich ein bakterieller Biofilm, der bewirkt, dass gelöste Abwasserinhaltsstoffe mit hohem Wirkungsgrad durch Sorptions- und Umlagerungsprozesse zurückgehalten und teilweise abgebaut werden.
Als Filtersubstrate kommen üblicherweise Sande mit geringem Kiesanteil zum Einsatz. Durch die Verwendung spezieller Filtersubstrate lässt sich die Keim-, Schwermetall- und Phosphorelimination (zum Beispiel durch Beimischung von Eisenhydroxid) zusätzlich verbessern. Der Retentionsbodenfilter hat mit 90 Prozent bis 95 Prozent eine sehr hohe stoffliche Reinigungswirkung.
Rückhalt des Wassers
Durch die Rückhaltung des Regenwassers werden Kanalisation und Oberflächengewässer entlastet.
Grün & Klima
Die Verdunstung des Regenwassers hat einen kühlenden Effekt auf die Umgebungstemperatur.
Aufgrund der offenen, naturnahen Bauweise können sich positive Effekte auf die Ökologie durch die Schilf-Vegetation innerhalb des Retentionsbodenfilters ergeben.
Hinweis
Alle Inhalte beruhen auf dem aktuellen Kenntnisstand unserer Fachexpertinnen und Fachexperten und stellen eine Empfehlung dar. Die Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ersetzen keine Regelwerke und es wird keine Haftung für die Inhalte übernommen.

