Große Herausforderungen für die Siedlungswasserwirtschaft

Was ist zu tun, wenn es in Siedlungsgebieten aufgrund nicht ausreichender Sielkapazitäten zu Überflutungen kommt, das Gewässer aber keine weiteren Abflüsse aus dem Siedlungsgebiet mehr aufnehmen kann? Wie sollen Regenab-
flüsse von stark befahrenen Straßen behandelt werden und ab wann ist eine Behandlung erforderlich? Wer legt hier die Anforderungen an die Behandlung fest und wer ist für die Umsetzung der Maßnahmen und den anschließenden Betrieb der Behandlungsanlagen zuständig?

Für diese und weitere Fragestellungen werden von der AG Siedlungswirtschaft mit wissenschaftlicher Unterstützung der TU Kaiserslautern Lösungen erarbeitet. Die aktuellen Arbeiten lassen sich in die drei folgenden Themenschwerpunkte unterteilen:

Kartenwerk und Potentialanalysen:

  • Weiterentwicklung der Versickerungspotentialkarte
  • Entwicklung und Erstellung der Flächenpotentialkarte
  • Verschneidung der Versickerungspotentialkarte mit der Flächenpotentialkarte zum „Informationssystem Regenwasserbewirtschaftung Hamburg“ („Info_RWBH“)
  • Erstellung von Wasserhaushaltsbilanzen in IST- und PLAN-Szenarien
  • Potentialanalyse in Bezug auf dezentrale Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen und einen naturnahen Wasserhaushalt

Überflutungsnachweis, Risikobetrachtung und Überflutungsschutz:

  • Methodenentwicklung zur Gefährdungsanalyse für außergewöhnliche Starkregenereignisse als Grundlage für eine Risikoabschätzung kanalinduzierter Überflutungen
  • Methodenentwicklung zur Berechnung / Abschätzung des oberflächigen Abflusses in Sieleinzugsgebieten
  • Weiterentwicklung der „Flächenmitbenutzung“ als ein Werkzeug für die Lösung von Überflutungspunkten 

Emissions-Immissionsbetrachtung, Regenwasserbehandlung:

  • Entwicklung und Abstimmung eines kombinierten Emissions- und Immissionsnachweises zur Bewertung von Regenwassereinleitungen in Gewässer
  • Wirksamkeitsbewertung und Kostenschätzung von Maßnahmen der zentralen und dezentralen Regenwasserbehandlung

Die Arbeiten erfolgen sowohl AG-intern als auch in AG übergeordneten Arbeitskreisen. Alle Entwicklungen werden zunächst in festgelegten Pilotgebieten erprobt, um Empfehlungen für zukünftige Anwendungen in der Praxis geben zu können. In den Pilotgebieten werden mit zunehmendem Arbeitsfortschritt zuständige Behörden sukzessive involviert und entstehende (nicht technische) Fragestellungen in die Querschnittsthemen des Projektes eingebracht. Aktuelle Pilotgebiete sind:

  • Einzugsgebiet Schleemer Bach/Jenfelder Bach (Potentialkarten, E-I-Nachweisführung), Bezirk Mitte
  • Retentionsbodenfilter Einzugsgebiet Fuchsbergredder und Manshardtstraße, Bezirk Mitte
  • Betrieb von Filtertrummen in der Straße Vollhöfner Weiden, Bezirk Mitte
  • Flächenmitbenutzung Ohlendorffspark, Volksdorf, Bezirk Wandsbek
  • Regenrückhaltebecken Haferacker, Neugraben, Bezirk Harburg
  • B-Planverfahren Iserbrook 23, Bezirk Altona (Mitarbeit AG Stadt-und Landschaftsplanung)

Darüber hinaus werden entwickelte Methoden direkt im Tagesgeschäft für öffentliche und private Auftraggeber von HAMBURG WASSER erprobt, angewendet und weiterentwickelt.